CTU – Infobrief des TÜV Nord

TÜV NORD MobilitätÄnderungen in der Urteilsbildung der
Medizinisch-Psychologischen Fahreignungsdiagnostik

Chemisch-Toxikologische Analysen
(Drogen-Alkoholnachweis in Blut, Urin oder Haaren)

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit dem 01.07.2009 ist die zweite Auflage der Beurteilungskriterien, Urteilsbildung in der Medizinisch-Psychologischen Fahreignungsdiagnostik, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) verbindliche Arbeitsgrundlage für anerkannte Begutachtungsstellen für Fahreignung. Im Folgenden möchte ich Sie über die wichtigsten Änderungen im Bereich Chemisch-Toxikologische Analysen und Abstinenz informieren.


Chemisch-Toxikologische Analysen (Drogen-, Alkoholnachweis in Blut, Urin oder Haaren)

In der Vergangenheit waren die Bestimmungsgrenzen (Cut-off-Werte) nicht vereinheitlicht. Entsprechend der Zielsetzung der Beurteilungskriterien sind jetzt für alle Träger von Begutachtungsstellen einheitliche Bestimmungsgrenzen festgelegt worden. Diese sind häufig wesentlich niedriger als die früher verwendeten Bestimmungsgrenzen.

Zukünftig werden die Personen, die noch Alkohol oder Drogen konsumieren, obwohl sie behaupten abstinent zu leben, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit einen positiven Befund im Rahmen der toxikologischen Analyse aufweisen. Welche Cut-off-Werte für die Analyse von Urin und Haaren für die einzelnen Substanzklassen verbindlich sind, können Sie aus der anliegenden Tabelle ersehen.

Als Standartverfahren für Alkohol- und Drogenabstinenznachweise ist die Urinkontrolle anzusehen. Die Haaranalyse ist aufgrund der komplexen Zusammenhänge bei Einlagerung und Nachweis von Substanzen kein Routineverfahren des Abstinenznachweises. Sinnvoll kann die Haaranalyse sein, um rückschauend bereits einen drogenfreien Intervall belegen zu können. Ist bekannt, dass Drogenabstinenz bzw. Alkoholabstinenz gefordert wird, sollte spätestens ab diesem Zeitpunkt die Drogen- und Alkoholabstinenz vorausschauend durch Urinkontrollen nachgewiesen werden. Bei Haaranalysen wird von einem Wachstum der Haare von durchschnittlich 1 cm pro Monat ausgegangen. Eine 6 cm lange Haarsträhne kann somit eine Abstinenz von 6 Monaten belegen. Einige Haare wachsen jedoch sehr langsam oder befinden sich in einer Wachstumspause. Dies hat zur Folge, dass ein positiver Befund durch Haare verursacht sein kann, die schon 10-12 Monate alt sind und sich in dieser Strähne von 6 cm befanden. Aus diesem Grund sind Urinkontrollen der Haaranalyse überlegen. Hier sind falsch positive Befunde so gut wie ausgeschlossen.


Welche Abstinenznachweise können anerkannt werden?

Wie bereits erwähnt, gelten ab 01.07.2009 mit einer Überganszeit bis 31.12.2009 einheitliche strenge Nachweisgrenzen für die Urin- und Haaranalysen im Rahmen der Fahreignungsbegutachtung. Ferner müssen die Analysen in einem Labor durchgeführt werden, das nach DIN ISO EN 17025 für forensische Zwecke nach den Standards der GTFCH akkreditiert ist. Die Drogenscreenings müssen grundsätzlich mehrere Instanzen umfassen. Neben Cannabinoiden müssen standardmäßig auch Opiate, Kokain, Amphetamin, Methadon und Benzodiazepine durch das Drogenscreening erfasst werden. Die Termine für die Urinkontrollen müssen, wie in der Vergangenheit auch, kurzfristig angesetzt sein. Dies bedeutet, dass der Kunde einen Tag vor der Urinkontrolle zu informieren ist. Ferner muss die Urinabgabe unter Sichtkontrolle erfolgen. Die  beschriebenen Kriterien sowohl für die toxikologische Untersuchung des Urins als auch für die Urinabgabe gelten jedoch nicht für die Drogenscreenings die im Rahmen einer Begutachtung der Fahreignung erstellt werden. Die Begutachtungsstellen für Fahreignung dürfen auch nur Drogenabstinenznachweise anerkennen, die die genannten Bedingungen erfüllen. Diese Bedingungen werden von Drogenabstinenznachweisen häufig nicht erfüllt. Dies liegt daran, dass diese oft für andere Zwecke vorgesehen sind, und daher deutlich höhere Nachweisgrenzen haben. Der deutlich höhere Aufwand der erforderlich ist, um die geforderten niedrigeren Nachweisgrenzen einzuhalten, ist auch ein Kostenfaktor. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, ist es nachvollziehbar, wenn die betroffenen daran interessiert sind, möglichst preisgünstige Drogenscreenings zu erhalten. Jedoch nützen den Betroffenen diese Drogenscreening wenig, wenn sie nicht die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Welche Anforderungen zu erfüllen sind, darüber können die Kunden Informationen bei den Begutachtungsstellen für Fahreignung erhalten.


Wer muss Drogen- und Alkoholabstinenz belegen?


Grundsätzlich gilt, dass bei einer Alkohol- und Drogenabhängigkeit eine einjährige Alkohol bzw. Drogenabstinenz, in der Regel durch sechs Urinuntersuchungen nachgewiesen ist. Die Alkoholabstinenz wird durch Urinkontrollen auf den  Abstinenzmarker Ethylglucuronid (ETG) belegt.

Abstinenzbelege sind jedoch nicht nur für die Gruppe der Drogenabhängigen bzw. Alkoholabhängigen vorgeschrieben, sondern auch für Personen mit einer fortgeschrittenen Drogenproblematik bzw. Personen, bei denen aufgrund der Lerngeschichte anzunehmen ist, dass ein konsequenter, kontrollierter Umgang mit alkoholischen Getränken nicht mehr erwartet werden kann.

Auch in diesen Fällen ist in der Regel eine einjährige Abstinenz zu belegen. An die Qualität der Abstinenzbelege werden die bereits genannten Anforderungen gestellt.

Bei Drogenkonsumenten wird man in aller Regel die Drogenabstinenz fordern. Jedoch sind Belege für die Drogenabstinenz nur für die genannte Gruppe der Drogenabhängigen und die Gruppe, bei der eine fortgeschrittene Drogenproblematik besteht, zwingend vorgeschrieben. Bei Personen, bei denen eine Drogengefährdung besteht, hierunter fällt ein Großteil der
reinen Cannabis-Konsumenten, sind Abstinenzbelege nicht zwingend vorgeschrieben. Sie helfen jedoch den Kunden, die angegebene Abstinenz zu belegen. Auch wird für diese Gruppe nicht zwingend ein Abstinenzzeitraum von zwölf Monaten gefordert. Bereits ab einer bestehenden Abstinenz von drei Monaten sind positive Gutachten in Abhängigkeit des Einzelfalls zumindest möglich. Es empfiehlt sich daher, im Rahmen einer qualifizierten Verkehrspsychologischen Diagnostik im Vorfeld einer Begutachtung den Ausprägungsgrad der bestehenden Alkohol- und Drogenproblematik feststellen zu lassen. Nur so kann festgelegt werden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor eine Medizinisch-
Psychologische Untersuchung sinnvoll ist.

Die zweite Auflage der Beurteilungskriterien enthält eine Reihe weiterer Konkretisierungen und Vereinheitlichungen, auf die ich gerne in einem weiteren Infobrief eingehe.

Ich hoffe, dass diese Informationen ihnen in ihrem Arbeitsalltag helfen. Ich stehe Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung. Sollte Bedarf nach einer Fortbildungsveranstaltung nach den Sommerferien zu der Thematik bestehen, geben Sie mir bitte eine kurze Information.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Reddermann
Medizinisch-Psychologisches Institut
Geschäftsstelle Frankfurt-Main

CTU – Infobrief des TÜV Nord

TÜV NORD MobilitätÄnderungen in der Urteilsbildung der
Medizinisch-Psychologischen Fahreignungsdiagnostik

Chemisch-Toxikologische Analysen
(Drogen-Alkoholnachweis in Blut, Urin oder Haaren)

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit dem 01.07.2009 ist die zweite Auflage der Beurteilungskriterien, Urteilsbildung in der Medizinisch-Psychologischen Fahreignungsdiagnostik, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) verbindliche Arbeitsgrundlage für anerkannte Begutachtungsstellen für Fahreignung. Im Folgenden möchte ich Sie über die wichtigsten Änderungen im Bereich Chemisch-Toxikologische Analysen und Abstinenz informieren.


Chemisch-Toxikologische Analysen (Drogen-, Alkoholnachweis in Blut, Urin oder Haaren)

In der Vergangenheit waren die Bestimmungsgrenzen (Cut-off-Werte) nicht vereinheitlicht. Entsprechend der Zielsetzung der Beurteilungskriterien sind jetzt für alle Träger von Begutachtungsstellen einheitliche Bestimmungsgrenzen festgelegt worden. Diese sind häufig wesentlich niedriger als die früher verwendeten Bestimmungsgrenzen.

Zukünftig werden die Personen, die noch Alkohol oder Drogen konsumieren, obwohl sie behaupten abstinent zu leben, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit einen positiven Befund im Rahmen der toxikologischen Analyse aufweisen. Welche Cut-off-Werte für die Analyse von Urin und Haaren für die einzelnen Substanzklassen verbindlich sind, können Sie aus der anliegenden Tabelle ersehen.

Als Standartverfahren für Alkohol- und Drogenabstinenznachweise ist die Urinkontrolle anzusehen. Die Haaranalyse ist aufgrund der komplexen Zusammenhänge bei Einlagerung und Nachweis von Substanzen kein Routineverfahren des Abstinenznachweises. Sinnvoll kann die Haaranalyse sein, um rückschauend bereits einen drogenfreien Intervall belegen zu können. Ist bekannt, dass Drogenabstinenz bzw. Alkoholabstinenz gefordert wird, sollte spätestens ab diesem Zeitpunkt die Drogen- und Alkoholabstinenz vorausschauend durch Urinkontrollen nachgewiesen werden. Bei Haaranalysen wird von einem Wachstum der Haare von durchschnittlich 1 cm pro Monat ausgegangen. Eine 6 cm lange Haarsträhne kann somit eine Abstinenz von 6 Monaten belegen. Einige Haare wachsen jedoch sehr langsam oder befinden sich in einer Wachstumspause. Dies hat zur Folge, dass ein positiver Befund durch Haare verursacht sein kann, die schon 10-12 Monate alt sind und sich in dieser Strähne von 6 cm befanden. Aus diesem Grund sind Urinkontrollen der Haaranalyse überlegen. Hier sind falsch positive Befunde so gut wie ausgeschlossen.


Welche Abstinenznachweise können anerkannt werden?

Wie bereits erwähnt, gelten ab 01.07.2009 mit einer Überganszeit bis 31.12.2009 einheitliche strenge Nachweisgrenzen für die Urin- und Haaranalysen im Rahmen der Fahreignungsbegutachtung. Ferner müssen die Analysen in einem Labor durchgeführt werden, das nach DIN ISO EN 17025 für forensische Zwecke nach den Standards der GTFCH akkreditiert ist. Die Drogenscreenings müssen grundsätzlich mehrere Instanzen umfassen. Neben Cannabinoiden müssen standardmäßig auch Opiate, Kokain, Amphetamin, Methadon und Benzodiazepine durch das Drogenscreening erfasst werden. Die Termine für die Urinkontrollen müssen, wie in der Vergangenheit auch, kurzfristig angesetzt sein. Dies bedeutet, dass der Kunde einen Tag vor der Urinkontrolle zu informieren ist. Ferner muss die Urinabgabe unter Sichtkontrolle erfolgen. Die  beschriebenen Kriterien sowohl für die toxikologische Untersuchung des Urins als auch für die Urinabgabe gelten jedoch nicht für die Drogenscreenings die im Rahmen einer Begutachtung der Fahreignung erstellt werden. Die Begutachtungsstellen für Fahreignung dürfen auch nur Drogenabstinenznachweise anerkennen, die die genannten Bedingungen erfüllen. Diese Bedingungen werden von Drogenabstinenznachweisen häufig nicht erfüllt. Dies liegt daran, dass diese oft für andere Zwecke vorgesehen sind, und daher deutlich höhere Nachweisgrenzen haben. Der deutlich höhere Aufwand der erforderlich ist, um die geforderten niedrigeren Nachweisgrenzen einzuhalten, ist auch ein Kostenfaktor. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, ist es nachvollziehbar, wenn die betroffenen daran interessiert sind, möglichst preisgünstige Drogenscreenings zu erhalten. Jedoch nützen den Betroffenen diese Drogenscreening wenig, wenn sie nicht die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Welche Anforderungen zu erfüllen sind, darüber können die Kunden Informationen bei den Begutachtungsstellen für Fahreignung erhalten.


Wer muss Drogen- und Alkoholabstinenz belegen?


Grundsätzlich gilt, dass bei einer Alkohol- und Drogenabhängigkeit eine einjährige Alkohol bzw. Drogenabstinenz, in der Regel durch sechs Urinuntersuchungen nachgewiesen ist. Die Alkoholabstinenz wird durch Urinkontrollen auf den  Abstinenzmarker Ethylglucuronid (ETG) belegt.

Abstinenzbelege sind jedoch nicht nur für die Gruppe der Drogenabhängigen bzw. Alkoholabhängigen vorgeschrieben, sondern auch für Personen mit einer fortgeschrittenen Drogenproblematik bzw. Personen, bei denen aufgrund der Lerngeschichte anzunehmen ist, dass ein konsequenter, kontrollierter Umgang mit alkoholischen Getränken nicht mehr erwartet werden kann.

Auch in diesen Fällen ist in der Regel eine einjährige Abstinenz zu belegen. An die Qualität der Abstinenzbelege werden die bereits genannten Anforderungen gestellt.

Bei Drogenkonsumenten wird man in aller Regel die Drogenabstinenz fordern. Jedoch sind Belege für die Drogenabstinenz nur für die genannte Gruppe der Drogenabhängigen und die Gruppe, bei der eine fortgeschrittene Drogenproblematik besteht, zwingend vorgeschrieben. Bei Personen, bei denen eine Drogengefährdung besteht, hierunter fällt ein Großteil der
reinen Cannabis-Konsumenten, sind Abstinenzbelege nicht zwingend vorgeschrieben. Sie helfen jedoch den Kunden, die angegebene Abstinenz zu belegen. Auch wird für diese Gruppe nicht zwingend ein Abstinenzzeitraum von zwölf Monaten gefordert. Bereits ab einer bestehenden Abstinenz von drei Monaten sind positive Gutachten in Abhängigkeit des Einzelfalls zumindest möglich. Es empfiehlt sich daher, im Rahmen einer qualifizierten Verkehrspsychologischen Diagnostik im Vorfeld einer Begutachtung den Ausprägungsgrad der bestehenden Alkohol- und Drogenproblematik feststellen zu lassen. Nur so kann festgelegt werden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor eine Medizinisch-
Psychologische Untersuchung sinnvoll ist.

Die zweite Auflage der Beurteilungskriterien enthält eine Reihe weiterer Konkretisierungen und Vereinheitlichungen, auf die ich gerne in einem weiteren Infobrief eingehe.

Ich hoffe, dass diese Informationen ihnen in ihrem Arbeitsalltag helfen. Ich stehe Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung. Sollte Bedarf nach einer Fortbildungsveranstaltung nach den Sommerferien zu der Thematik bestehen, geben Sie mir bitte eine kurze Information.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Reddermann
Medizinisch-Psychologisches Institut
Geschäftsstelle Frankfurt-Main