NEWS | URTEILE

Frankfurter Rundschau 18.04.2007

Flaschen weg vom Auto-Lenkrad

Verkehrssicherheitsrat will strengere Alkohol-Richtlinien in Europa / Positiver Trend in Deutschland

Wenn in Deutschland ein junger Mann zwischen 19 und 29 Jahren stirbt, ist Alkohol am Steuer die häufigste Todesursache. Und was in Deutschland gilt, ist in den übrigen europäischen Staaten nicht anders. Junge Fahrer sind ungeübt im Erkennen von Gefahren und zugleich leichtsinniger. Deshalb, so die Europaabgeordnete Renate Sommer, könne die Aufklärung über die Gefahren des Alkohols gar nicht früh genug beginnen.

Schon im Kindergarten will die CDU-Politikerin das Problem angesprochen wissen – nur so könne auch in den Familien eine ernsthafte Diskussion entstehen. Überfordert sieht die Abgeordnete die Kinder nicht, schließlich werde auch im Kindergartenalter über andere ernste Themen gesprochen. Außerdem sei erwiesen, dass die Einstellung zum Fahren unter Alkoholeinfluss einem langfristig angelegten Lernprozess unterliege. Genau dieses Lernen habe in vielen europäischen Staaten stattgefunden; denn dort hat der Anteil der Verkehrstoten wegen Alkohol am Steuer abgenommen. Am stärksten war der Rückgang zwischen 1997 und 2005 in Tschechien, wie eine am Dienstag in Brüssel veröffentlichte Untersuchung zeigt. Es folgen Deutschland und Polen auf den Rängen zwei und drei.

Gegensätzliche Entwicklung

So viel zu den positiven Entwicklungen. Auf der Negativ-Seite stellte der Europäische Rat für Verkehrssicherheit (ETSC) in seiner Studie fest, dass die Trunksucht am Steuer in Ungarn, Finnland, Spanien und Großbritannien mehr Tote auf den Straßen zurückließ als noch vor einigen Jahren, außerdem werden in sieben der 27 EU-Staaten über den Unfallverursacher Alkohol nicht einmal Statistiken geführt. Wo es sie gibt, sind die Ergebnisse erstaunlich. So kommen im angeblich so trinkfreudigen Polen im Jahr 458 Menschen betrunken am Steuer ums Leben, im etwa gleichgroßen Frankreich sind es 1.532. Strengere Promillegrenzen, Aufklärungskampagnen und härtere Strafen sind nach der Auffassung der Spezialisten das beste Mittel, die Anzahl der Todesfahrten im Rausch zu vermindern. Null Promille für junge Fahrer und Fahranfänger, ein Bonus-Malus-System bei den Versicherungen und häufige Zufallskontrollen auf den Straßen stehen in der Empfehlungslisteliste ganz oben.

Wer öfters mal in Röhrchen pusten muss, wird sich überlegen, wann er trinkt – da ist sich Renate Sommer sicher. 30 Jahre hat sie ihren Führerschein, und sie ist erst einmal in eine Alkoholkontrolle geraten. Was andere Glück nennen, ist für die Abgeordnete aber ein Grund zur Klage: Es könne doch nicht sein, dass die abschreckende Wirkung solcher Kontrollen schlicht verschenkt werde, indem man einfach auf sie verzichte.

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Flaschen weg vom Auto-Lenkrad

Verkehrssicherheitsrat will strengere Alkohol-Richtlinien in Europa / Positiver Trend in Deutschland

Wenn in Deutschland ein junger Mann zwischen 19 und 29 Jahren stirbt, ist Alkohol am Steuer die häufigste Todesursache. Und was in Deutschland gilt, ist in den übrigen europäischen Staaten nicht anders. Junge Fahrer sind ungeübt im Erkennen von Gefahren und zugleich leichtsinniger. Deshalb, so die Europaabgeordnete Renate Sommer, könne die Aufklärung über die Gefahren des Alkohols gar nicht früh genug beginnen.

Schon im Kindergarten will die CDU-Politikerin das Problem angesprochen wissen – nur so könne auch in den Familien eine ernsthafte Diskussion entstehen. Überfordert sieht die Abgeordnete die Kinder nicht, schließlich werde auch im Kindergartenalter über andere ernste Themen gesprochen. Außerdem sei erwiesen, dass die Einstellung zum Fahren unter Alkoholeinfluss einem langfristig angelegten Lernprozess unterliege. Genau dieses Lernen habe in vielen europäischen Staaten stattgefunden; denn dort hat der Anteil der Verkehrstoten wegen Alkohol am Steuer abgenommen. Am stärksten war der Rückgang zwischen 1997 und 2005 in Tschechien, wie eine am Dienstag in Brüssel veröffentlichte Untersuchung zeigt. Es folgen Deutschland und Polen auf den Rängen zwei und drei.

Gegensätzliche Entwicklung

So viel zu den positiven Entwicklungen. Auf der Negativ-Seite stellte der Europäische Rat für Verkehrssicherheit (ETSC) in seiner Studie fest, dass die Trunksucht am Steuer in Ungarn, Finnland, Spanien und Großbritannien mehr Tote auf den Straßen zurückließ als noch vor einigen Jahren, außerdem werden in sieben der 27 EU-Staaten über den Unfallverursacher Alkohol nicht einmal Statistiken geführt. Wo es sie gibt, sind die Ergebnisse erstaunlich. So kommen im angeblich so trinkfreudigen Polen im Jahr 458 Menschen betrunken am Steuer ums Leben, im etwa gleichgroßen Frankreich sind es 1.532. Strengere Promillegrenzen, Aufklärungskampagnen und härtere Strafen sind nach der Auffassung der Spezialisten das beste Mittel, die Anzahl der Todesfahrten im Rausch zu vermindern. Null Promille für junge Fahrer und Fahranfänger, ein Bonus-Malus-System bei den Versicherungen und häufige Zufallskontrollen auf den Straßen stehen in der Empfehlungslisteliste ganz oben.

Wer öfters mal in Röhrchen pusten muss, wird sich überlegen, wann er trinkt – da ist sich Renate Sommer sicher. 30 Jahre hat sie ihren Führerschein, und sie ist erst einmal in eine Alkoholkontrolle geraten. Was andere Glück nennen, ist für die Abgeordnete aber ein Grund zur Klage: Es könne doch nicht sein, dass die abschreckende Wirkung solcher Kontrollen schlicht verschenkt werde, indem man einfach auf sie verzichte.